WM-Botschafter im Clownskostüm

Fröhliche Bilder boten sich in der Sporthalle der August-Hermann-Francke-Schule, als rund zehn junge brasilianische Gäste als Clowns verkleidet den Sportunterricht gestalteten. Im Vorfeld der Fußball-WM in Brasilien war die Gruppe aus Südamerika in die Schule gekommen und brachte die Schüler/-innen der Klassen 5 und 9 auf Trab. Die Mitglieder der bunten Gruppe sind Anfang 20 Jahre alt, stammen aus dem Umfeld eines Straßenkinderprojekts in der Region Recife im Nordosten von Brasilien und werden von einem Pastor geleitet. Neben Sport und Musik berichteten die jungen Männer von ihren Erfahrungen. Teilweise lebten sie auf der Straße und machten Drogenerfahrungen. Sie möchten mitteilen, wie es anderen Jugendlichen auf der Welt geht, unter welchen Bedingungen sie aufwachsen und welche Bedeutung der Glaube in diesen Situationen für sie persönlich hatte.

Die über 110 Schüler/-innen zeigten sich angetan, sie fragten, machten begeistert bei den neuen Übungen mit. Die Verknüpfung von WM-Flair, Spaß, Lebensberichten, christlichem Glauben und Sport kam offenbar an. Viele der Schüler/-innen hatten ihre Fußballtrikots mitgebracht.


Jochen Riemer von der deutschen Partnerorganisation erklärte Hintergründe der Aktion. Die Allianzmission der Freien evangelischen Gemeinden, die nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in 23 Ländern aktiv ist, fördert den eigenständigen brasilianischen Verein Levante, der sich in Hausaufgabenhilfe, Gefängniseinsätzen und in „Goolgatha“, dem Fußballzweig, zu dem die zehn Brasilianer gehören, engagiert.

Es war der Traum der Gruppe, im WM-Jahr als Kulturbotschafter nach Deutschland zu kommen, denn von Deutschland kam große Unterstützung für ihr Projekt. „Für die Reise haben sie ein Jahr gespart“, erzählt Riemer, denn nur ein Teil der Kosten wurde gefördert. Riemer sagt weiter: „Die jungen Leute in Brasilien brauchen Hoffnung und Lebensziele, sonst rutschen sie in Drogen und Kriminalität ab.“ Mit dem Körper werde Sport gemacht, doch genauso würden Gottesdienste und Ostern gefeiert. Der Umgang mit dem Glauben sei in Brasilien oft viel ganzheitlicher und natürlicher als in Deutschland. Doch ein großes Problem seien in Brasilien die häufig kaputten Familien. „90 Prozent der Brasilianer leben in Millionenstädten, die meisten Kinder wachsen ohne Väter auf“, erklärt er die schweren Startbedingungen der Kinder.

Die jungen Gäste, die sich als „brasilianische WM-Botschafter“ betrachten, spielen in Deutschland auch gegen deutsche Vereine, besuchen das Jugendgefängnis in Rockenberg und Flüchtlingsheime. Die Aktion in Gießen begleitete vonseiten der Schule Sportlehrerin Steffi Weil. Leiter des Teams ist Wilton Louiz de Ferreira.

(nach: Gießener Anzeiger, 15.5.2014)

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